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EACD auf Kongress der ICOMOS-UK in London

Auf Einladung von ICOMOS UK (International Council on Monuments & Sites) und The Prince's Foundation for the Built Environment nahm die EACD mit einer kleinen Delegation auf einer Konferenz „Aktion für die berufliche Schulung und Bildung für das historische Bauerbe“ teil. Lord Hankey, ICOMOS UK-Präsident, und Dombaumeister Jürgen Prigl, EACD-Präsident, besiegelten noch auf der Konferenz partnerschaftliche Gesinnung und zukünftiges Zusammenwirken.

Von links: Håkan Lindkvist, Bauhütte Gotland, EACD, Schweden;
Lord Hankey, Präsident ICOMOS UK;
John Taylor, Carpenters Company and Building Crafts College London, NHTG;
Breda Potočnik, EACD; Dombaumeister Jürgen Prigl, Präsident EACD

Rede des EACD-Präsidenten

In der Verantwortung für die Restaurierung an der gotischen Kathedrale St. Maria zur Wiese in Soest bin ich immer wieder auch in den einfachsten Grundlagen gefordert. Etwa der Lehrsatz des Pythagoras, mehr als 2500 Jahre alt: A Quadrat plus B Quadrat ist gleich C Quadrat. Vielleicht nach einem gescheiteren Versuch jemanden etwas zu lehren formulierte Pythagoras einen anderen weisen Satz, aber in Worten: „Nicht alles ist allen erklärbar“.

Auch dieser Satz von Pythagoras stimmt heute noch, - jedoch nicht für sie und mich in den nächsten 20 Minuten! Denn was ich ihnen vorstellen will, sind weder des Kaisers neue Kleider noch handelt es sich um eine neue Erfindung des Rades, sondern darum, sich auf die Herkunft zu besinnen um die Zukunft gut zu gewinnen.

Unser historisches Bauerbe dokumentiert eine Grundlage unserer Kultur und der Identität Europas in der Welt. Schon im Mittelalter haben die Dombauhütten in einer Art internationalem Netzwerk die großen Kathedralen errichtet. Dieses System - gerade dadurch, dass wir es nicht bloß kopieren - inspiriert uns als ein faszinierendes Vorbild im Zeitalter der Globalisierung zu neuer Kreativität.

Ab 1996 begründete ich einen losen internationalen Gesprächskreis zu Fragen der beruflichen Kultur und Bildung im Handwerk der Steinmetzen. Dieses alte Handwerk kann exemplarisch für alle die Handwerke stehen, welche gestaltend die Kathedralen errichteten und für die Erhaltung unserer Baudenkmäler letztlich unabdingbar sind. Mir war gewahr geworden, dass diese Handwerke oft in die Gremien für die Entscheidungsprozesse nicht eingebunden sind.

Sicherlich gibt es viele verschiedene Gründe, dass sie sich darin nicht entsprechend bewegen können -. Andererseits geschieht das, was schlussendlich getan wird, durch eben diese Hände. Journalisten nannten diesen Gesprächskreis, bestehend aus Architekten, Handwerkern (mehrheitlich), Lehrern, Soziologen, Künstlern, etc., die „Soester Runde“

1998 konstatierte dieser Kreis dann einerseits, dass durch die Rechtslage in den Staaten Europas in der beruflichen Bildung große Unterscheide vorhanden sind. Andererseits beschloss man, kooperativ auf hohem Niveau an einem europäisch geltenden Aus- und Weiterbildungsstandard in der beruflichen Bildung des Handwerks zu arbeiten.

Auf dem Jahrestreffen 1999 wurde der Runde bewusst, dass die Frage der Graduierung im Handwerk ein gigantisches Problem ist nicht nur wegen der immens wichtigen Bedeutung des Inhaltes, sondern auch und allein schon aus formalen Gründen. Es wurde klar, dass dieses Problem, die Graduierung von hohen Abschlüssen im Handwerk in Europa, sich nicht von selbst lösen kann. Ebenso erkannten wir, dass kein Land das Patentrezept besitzt für alle anderen!

Die Zusammenkunft im Jahre 2000, mittlerweile waren 8 Nationen vertreten, mündete in 3 Forderungen: 1.) zum „Master of Science“ und „Master of Arts“, etc. sollte es entsprechend europaweit einen „Master of Craft“ geben. 2.) das Handwerk muss europaweit gesehen einen Mangel an guten Begriffen, wie z. B. Niveau, Qualität, Jugend, Selbstverwirklichung, Wohlstand, etc. beheben. 3.) die Sache der beruflichen Bildung benötigt „Europäische Empfehlungen“.

In einer solchen Empfehlung wurde schließlich 2001 in einer Charta von Vertretern aus nun 16 Nationen, die Forderung nach einem „Europäischen Handwerks-Meister“ erhoben.

Ein Jahr danach, 2002 in Basel / Schweiz, beschloss der freie Kreis, eine offizielle europäische Vereinigung aufzustellen. (Das war nicht mein persönlicher Wunsch, aber in der Gruppe durchweg einmütig.) 2003 wurde in Brüssel im Hause der UEAPME die EACD gegründet.

Auf der ersten Vollversammlung der EACD 2004 in Brac / Kroatien hatte sich die junge und mittellose Vereinigung mit einer großen, offerierten Möglichkeit zu befassen, ein neues großes europäisches Kompetenzzentrum in Bayern zu errichten.

2005 auf der Insel Gotland in Schweden beschloss man, anstelle des undurchführbaren Neubaues, eine dezentrale Fortbildungsmaßnahme: eine Tournee durch verschiedene Länder Europas zur Erlangung eines european master of craft ®. Dafür wurde ein Bildungsplan aufgestellt.

Nach einer internationalen Ausschreibung wurden 8 Teilnehmer ausgewählt und 2006 in Laas / Südtirol, Italien, wurde die Tournee gestartet. Die Kandidaten sind allesamt Steinmetzen und haben den höchst geltenden Abschluss in ihrem Land bereits erworben. In 5 Lehrgängen durch 6 Länder Europas qualifizieren sich die Teilnehmer in 3-wöchigen Bildungsblöcken direkt bei den Hauptverantwortlichen in den Bildungsstätten weiter. Diese erstmalige, pilothafte Maßnahme wird 2009 abgeschlossen.

Unsere Bewegung erfreute sich in allen Jahren wohlwollender Unterstützung. Im Jahre 2007 berief die EACD in Ljubljana / Slowenien offiziell einen zuvor zusammengestellten Beirat.

Ende des Jahres 2007 gelang es - unter anderem durch die EACD und ihre Bildungstournee als konkretes Argument im Sinne von best practice -, dass in Brüssel die EU-Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen noch korrigiert wurde. Einige Handwerksberufe der Länder Österreich, Luxemburg und Deutschland wurden höher gestuft in das mittlere Niveau c von 5 Ebenen der Berufsklassifizierung.

Wenn man so will, ist damit eine Mission erfüllt und etwas positiv zu Ende gebracht. Doch in jedem Anfang wohnt ein neuer Zauber inne, und so will ich abschließend einige wenige Schnappschüsse unserer Aspiranten von ihrer Bildungstournee zeigen.

Die Tournee läuft gut, wie könnte es bei den Einrichtungen auch anders sein. Die EACD jedenfalls wünscht jedem Teilnehmer weiterhin viel Erfolg und wünscht sich für die Zukunft weitere Unterstützung.